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Von WooCommerce oder Magento zu Shopify wechseln: Der ehrliche Migrations-Guide

Alles, was bei einer Shopify-Migration schiefgehen kann — und wie Sie es vermeiden. Ein Erfahrungsbericht mit konkreten Checklisten, SEO-Fallen und realistischen Zeitplänen.

TG-AI5. Januar 20259 min

Warum dieser Artikel anders ist

Es gibt hunderte Artikel über Shopify-Migrationen. Die meisten klingen so: "Migration ist einfach! Daten exportieren, importieren, fertig!" Die Realität sieht anders aus.

Wir haben dutzende Migrationen begleitet — von WooCommerce, Magento, Gambio, JTL und anderen Systemen. Jede einzelne hatte unerwartete Herausforderungen. Dieser Artikel teilt die Dinge, die wir dabei gelernt haben. Die hässlichen Details inklusive.

Die ehrliche Bestandsaufnahme: Brauchen Sie wirklich eine Migration?

Bevor Sie sich in eine Migration stürzen, stellen Sie sich diese Fragen:

Was genau funktioniert nicht? Wenn es spezifische Probleme sind (langsame Ladezeit, Plugin-Konflikte, Design-Limitierungen), prüfen Sie, ob diese nicht auf der bestehenden Plattform lösbar sind. Eine Migration nur wegen "das Gras ist grüner" ist teuer und riskant.

Was kostet das Problem? Rechnen Sie ehrlich: Wenn Ihr WooCommerce-Shop Sie 500€/Monat an Wartung kostet und die Migration 15.000€ — brauchen Sie 30 Monate Einsparung, bis sich der Wechsel rechnet. Dazu kommen die Opportunitätskosten: Alles, was Sie während der Migration nicht machen können.

Haben Sie die Ressourcen? Eine Migration bindet für 2-3 Monate erhebliche Kapazitäten. Ihr Team muss Daten aufbereiten, Content migrieren, testen, Kunden informieren. Unterschätzen Sie das nicht.

Wann eine Migration wirklich sinnvoll ist

  • Ihr aktuelles System ist ein Sicherheitsrisiko (veraltete Software, keine Updates mehr)
  • Die Performance lässt sich trotz Optimierung nicht verbessern
  • Sie brauchen Features, die auf der aktuellen Plattform nicht umsetzbar sind
  • Die laufenden Kosten sind dauerhaft höher als auf Shopify
  • Ihr Entwickler/Ihre Agentur unterstützt die aktuelle Plattform nicht mehr
  • Magento 1 End-of-Life (hier ist Migration nicht optional, sondern nötig)

Was Sie wirklich migrieren (und was nicht)

Daten, die gut migrierbar sind

Produkte: Titel, Beschreibungen, Preise, Varianten, Bilder — das lässt sich in den meisten Fällen gut exportieren und importieren. Shopify akzeptiert CSV-Dateien, und es gibt Tools wie Matrixify (ehemals Excelify), die den Import vereinfachen.

Achtung bei Varianten: WooCommerce und Magento handhaben Varianten anders als Shopify. WooCommerce hat "Variable Products" mit "Variations", Magento hat "Configurable Products" mit "Simple Products". Shopify hat ein eigenes Variantenmodell mit max. 3 Optionen (z.B. Größe, Farbe, Material) und max. 100 Varianten pro Produkt.

Wenn Ihre Produkte mehr als 3 Optionen oder mehr als 100 Varianten haben, müssen Sie Ihre Produktstruktur überdenken.

Kunden: Name, E-Mail, Adressen — kein Problem. Aber es gibt einen großen Haken:

Passwörter sind nicht migrierbar. Nie. Keine Plattform gibt gehashte Passwörter heraus, und Shopify akzeptiert keine externen Hashes. Jeder Kunde muss sich ein neues Passwort setzen. Das klingt harmlos, ist aber einer der häufigsten Gründe für Kundenbeschwerden nach einer Migration.

Bestellhistorie: Alte Bestellungen können als "archivierte Bestellungen" in Shopify importiert werden. Sie erscheinen im Kundenkonto, können aber nicht mehr bearbeitet werden.

Daten, die problematisch sind

SEO-URLs: Das ist der kritischste Punkt (dazu gleich mehr).

Produktbewertungen: Bewertungen stecken in WooCommerce-Plugins (z.B. WooCommerce Product Reviews, Yotpo) oder Magento-Extensions. Jedes Tool hat ein eigenes Format. Sie müssen die Bewertungen exportieren und in Shopifys Bewertungs-App importieren (z.B. Judge.me, Loox). Das klappt meistens, braucht aber manuelle Arbeit.

Custom Fields / Metafields: WooCommerce nutzt Custom Fields und Advanced Custom Fields (ACF), Magento hat Custom Attributes. Diese müssen als Shopify Metafields neu angelegt und die Daten zugeordnet werden. Bei 50 Custom Fields kann das Tage dauern.

Blog-Beiträge: WordPress-Blogs sind oft das Herzstück der Content-Strategie. Shopifys Blog-System ist deutlich einfacher als WordPress. Prüfen Sie, ob Sie mit Shopifys Blog leben können oder ob Sie den Blog auf einer Subdomain (blog.ihredomain.de) auf WordPress belassen.

Daten, die nicht migrierbar sind

  • App-/Plugin-Daten: Alles, was in WooCommerce-Plugins oder Magento-Extensions gespeichert ist
  • Design/Theme: Muss komplett neu gebaut werden
  • Gutscheine/Gift Cards: Müssen manuell neu erstellt werden (oder per API)
  • Analytics-Historie: Google Analytics läuft weiter, aber Shopify-interne Analytics starten bei Null

Die SEO-Migration: Wo die meisten scheitern

Wenn Sie bei der Migration eine Sache richtig machen müssen, dann ist es die SEO-Migration. Alles andere können Sie nachbessern. Verlorene Rankings nicht — zumindest nicht schnell.

Das Problem

WooCommerce und Shopify haben unterschiedliche URL-Strukturen:

SeitentypWooCommerceShopify
Produkt/product/blaues-tshirt//products/blaues-tshirt
Kategorie/product-category/herren//collections/herren
Seite/ueber-uns//pages/ueber-uns
Blog/blog/titel-des-posts//blogs/news/titel-des-posts
Warenkorb/cart//cart
Mein Konto/my-account//account

Bei Magento sieht es ähnlich aus, mit eigenen URL-Patterns.

Jede einzelne URL, die sich ändert, braucht einen 301-Redirect. Sonst findet Google die Seite nicht mehr, der Besucher landet auf einer 404-Fehlerseite, und Sie verlieren Rankings.

Die Redirect-Strategie

Schritt 1: Alle URLs erfassen

Crawlen Sie Ihren aktuellen Shop mit einem Tool wie Screaming Frog oder Sitebulb. Erfassen Sie jede indexierte URL. Bei einem Shop mit 1.000 Produkten und 50 Kategorien kommen schnell 2.000-3.000 URLs zusammen.

Schritt 2: Mapping erstellen

Erstellen Sie eine Tabelle: Alte URL → Neue URL. Das ist Fleißarbeit, aber unverzichtbar.

Schritt 3: Redirects in Shopify einrichten

Shopify bietet unter "Online Store → Navigation → URL Redirects" die Möglichkeit, Redirects einzutragen. Bei vielen Redirects nutzen Sie den CSV-Import oder eine App wie "Bulk Redirect".

Schritt 4: Prüfen, prüfen, prüfen

Nach dem Go-Live: Prüfen Sie jeden einzelnen Redirect. Automatisiert (mit einem Crawler) und stichprobenartig manuell. Ein falscher Redirect ist schlimmer als kein Redirect — er schickt Besucher zur falschen Seite.

Die versteckten SEO-Fallen

Trailing Slashes: WooCommerce nutzt Trailing Slashes (/product/tshirt/), Shopify nicht (/products/tshirt). Klingt wie ein Detail, ist aber ein eigener Redirect.

HTTP vs. HTTPS: Stellen Sie sicher, dass Redirects von HTTP und HTTPS der alten Domain funktionieren.

Canonical Tags: Nach der Migration müssen alle Canonical Tags auf die neuen URLs zeigen. Shopify macht das automatisch, aber prüfen Sie es trotzdem.

Strukturierte Daten: Wenn Sie JSON-LD oder Schema.org-Markup hatten, stellen Sie sicher, dass es auf Shopify ebenfalls vorhanden ist. Shopify-Themes bringen Basics mit, aber oft nicht alles, was Sie vorher hatten.

Google Search Console: Reichen Sie die neue Sitemap ein, sobald der Shop live ist. Nutzen Sie das URL-Prüftool, um wichtige Seiten manuell zur Indexierung anzumelden. Beobachten Sie die Coverage-Reports in den Wochen nach der Migration genau.

Realistischer Traffic-Verlauf nach Migration

Erwarten Sie nach einer gut durchgeführten Migration:

  • Woche 1-2: 10-30% Traffic-Rückgang (normal, Google re-crawlt die Seite)
  • Woche 3-4: Erholung auf 80-90% des alten Levels
  • Monat 2-3: Vollständige Erholung oder sogar Verbesserung (dank besserer Performance)

Bei einer schlecht durchgeführten Migration:

  • Woche 1-2: 50-80% Traffic-Verlust
  • Monat 1-3: Langsame Erholung, wenn Redirects nachträglich gesetzt werden
  • Monat 3-6: Möglicherweise nie vollständige Erholung der alten Rankings

Der Migrations-Zeitplan

Für einen mittelgroßen Shop (500 Produkte, 5.000 Kunden)

Woche 1-2: Vorbereitung

  • Vollständiger Crawl des bestehenden Shops
  • URL-Mapping erstellen
  • Daten-Export und -Bereinigung
  • App-Recherche: Welche Shopify-Apps ersetzen aktuelle Plugins?
  • Entscheidung: Theme kaufen oder Custom Design?

Woche 3-5: Aufbau

  • Shopify-Shop einrichten
  • Theme konfigurieren oder Custom Theme entwickeln
  • Produktdaten importieren und prüfen
  • Kundendaten importieren
  • Bestellhistorie importieren (optional)
  • Apps installieren und konfigurieren
  • Rechtstexte migrieren (Impressum, Datenschutz, AGB, Widerruf)
  • E-Mail-Templates einrichten

Woche 6: Content & SEO

  • Alle Seiteninhalte übertragen
  • Meta-Titles und -Descriptions prüfen
  • Redirects einrichten
  • Sitemap generieren und prüfen
  • Strukturierte Daten verifizieren

Woche 7: Testing

  • Cross-Browser-Testing (Chrome, Firefox, Safari, Edge)
  • Mobile-Testing (verschiedene Geräte und Bildschirmgrößen)
  • Bestellprozess durchspielen (mit verschiedenen Zahlungsmethoden)
  • Redirect-Prüfung (automatisiert + manuell)
  • Performance-Testing (PageSpeed, Core Web Vitals)
  • E-Mail-Testing (Bestellbestätigung, Versandinfo, etc.)

Woche 8: Go-Live

  • DNS umstellen (nachts oder am Wochenende, wenn der Traffic niedrig ist)
  • SSL-Zertifikat verifizieren
  • Alle Redirects ein letztes Mal prüfen
  • Google Search Console: Neue Sitemap einreichen
  • 48 Stunden intensives Monitoring
  • Kunden über neuen Shop informieren (E-Mail, Social Media)

Die 7 teuersten Migrationsfehler

1. SEO-Redirects vergessen oder fehlerhaft

Schon beschrieben, kann nicht oft genug betont werden. Ein Shop mit 2.000 indexierten Seiten und fehlenden Redirects kann innerhalb von 2 Wochen 70% seines organischen Traffics verlieren. Die Erholung dauert Monate.

2. Den alten Shop zu früh abschalten

Lassen Sie den alten Shop mindestens 2 Wochen nach Go-Live als Read-Only zugänglich. So können Sie:

  • Daten nachträglich prüfen und exportieren
  • Kunden bei Fragen auf alte Bestellungen verweisen
  • Im Notfall zurückschalten

3. Keine Kunden-Kommunikation

Informieren Sie Ihre Kunden vor der Migration. Eine E-Mail, die erklärt:

  • Wann der neue Shop live geht
  • Dass ein neues Passwort nötig ist
  • Wo sie ihre Bestellhistorie finden
  • An wen sie sich bei Fragen wenden können

Shops, die das nicht tun, erleben einen Ansturm auf den Kundensupport. Die Frage "Warum funktioniert mein Login nicht?" wird hundertfach gestellt.

4. Produktdaten nicht bereinigen

Migrieren Sie nicht blind alle Daten. Nutzen Sie die Gelegenheit:

  • Produkte löschen, die seit 12 Monaten nicht verkauft wurden
  • Duplikate entfernen
  • Beschreibungen aktualisieren
  • Bilder in einheitlicher Qualität neu aufbereiten

Die Migration ist die beste Gelegenheit für einen Frühjahrsputz. Nutzen Sie sie.

5. Apps nicht vorab testen

Viele WooCommerce-Plugins haben kein exaktes Shopify-Gegenstück. Testen Sie alle benötigten Shopify-Apps im Vorfeld auf einem Test-Shop. Prüfen Sie:

  • Funktioniert die App wie erwartet?
  • Wie verhält sie sich auf Mobile?
  • Wirkt sie sich auf die Ladezeit aus?
  • Sind die laufenden Kosten akzeptabel?

6. Nur auf Desktop testen

Über 70% der E-Commerce-Besucher kommen vom Smartphone. Testen Sie den neuen Shop intensiv auf Mobile. Was auf dem Desktop großartig aussieht, kann auf dem Handy unbenutzbar sein.

7. Kein Post-Launch-Plan

Die Migration endet nicht am Go-Live-Tag. Planen Sie für die ersten 4 Wochen nach Launch:

  • Tägliche Prüfung der Google Search Console
  • Monitoring der 404-Fehler
  • Kundenfeedback sammeln und umsetzen
  • Performance-Monitoring
  • Verkaufszahlen mit dem alten Shop vergleichen

Spezialfall: WordPress-Blog behalten

Viele WooCommerce-Shops haben einen umfangreichen WordPress-Blog mit hunderten Artikeln, die für SEO wertvoll sind. Shopifys Blog-System ist dagegen rudimentär.

Option A: Blog auf Subdomain behalten

  • Blog bleibt auf blog.ihredomain.de mit WordPress
  • Shop läuft auf ihredomain.de mit Shopify
  • Header/Footer werden angeglichen
  • SEO-Wert der Blog-Artikel bleibt erhalten

Option B: Blog zu Shopify migrieren

  • Blog-Artikel als Shopify Blog-Posts importieren
  • Eingeschränkte Formatierungsmöglichkeiten akzeptieren
  • 301-Redirects für alle Blog-URLs einrichten
  • Interne Links aktualisieren

Option C: Externen Blog-Service nutzen

  • Blog auf einer Headless-CMS-Lösung (Sanity, Contentful) aufsetzen
  • Als Subdomain oder Subfolder einbinden
  • Maximale Flexibilität, höhere Kosten

Für die meisten Shops empfehlen wir Option A, wenn der Blog umfangreich ist. Der Aufwand, einen gut laufenden WordPress-Blog zu migrieren, steht oft nicht im Verhältnis zum Nutzen.

Checkliste: Vor der Migration

  • Vollständiger Crawl des aktuellen Shops erstellt
  • URL-Mapping-Tabelle angelegt
  • Alle Daten exportiert und gesichert
  • Shopify-Apps recherchiert und getestet
  • Budget und Timeline realistisch geplant
  • Team über ihre Aufgaben informiert
  • Kunden-Kommunikation vorbereitet
  • Rollback-Plan erstellt
  • Testshop eingerichtet und Datenimport getestet
  • SEO-Baselines dokumentiert (Rankings, Traffic, indexierte Seiten)

Die wichtigste Erkenntnis

Eine Shopify-Migration ist kein einmaliges Event, sondern ein Projekt, das Planung, Disziplin und Nachbereitung braucht. Die Technik ist der einfachere Teil. Die eigentlichen Herausforderungen sind Datenqualität, SEO-Kontinuität und Kundenkommunikation.

Nehmen Sie sich die Zeit, es richtig zu machen. Der organische Traffic, den Sie sich über Jahre aufgebaut haben, ist zu wertvoll für eine übereilte Migration.

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