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Retouren im Shopify-Shop: Was sie wirklich kosten und wie Automatisierung hilft

Deutsche Online-Shopper retournieren jedes neunte Paket. Die echten Kosten pro Retoure liegen bei 20-25€. Eine Analyse des Retouren-Problems mit konkreten Lösungsansätzen durch DHL-Automatisierung.

TG-AI15. Januar 20259 min

Die Retouren-Realität in Deutschland

Hier ist eine Zahl, die viele Shopify-Händler unterschätzen: In Deutschland wird etwa jedes neunte online bestellte Paket retourniert. Das klingt nach wenig — bis man sich die absoluten Zahlen ansieht. Über 530 Millionen Pakete gehen jährlich zurück an die Händler. Im Fashion-Bereich liegt die Quote noch drastischer: Mehr als jedes vierte Kleidungsstück wird zurückgeschickt, bei Schuhen sind es über 20%.

Und hier wird es wirklich interessant: 29% der deutschen Online-Shopper geben offen zu, dass sie bewusst mehr bestellen als sie behalten wollen. Die "Anprobier-Bestellung" ist für viele Kunden Standard — bestellt wird in drei Größen, behalten wird eine.

Das ist keine Nörgelei. Das ist die Realität, mit der jeder E-Commerce-Händler arbeiten muss. Die Frage ist nicht, ob Sie Retouren haben werden, sondern wie profitabel Sie trotz Retouren sein können.

Was eine Retoure wirklich kostet

Die meisten Händler kennen nur die Versandkosten einer Retoure. Aber die tatsächlichen Kosten sind deutlich höher, wenn man alle Faktoren einrechnet.

Die versteckten Kostenblöcke

18% der Online-Händler schätzen ihre Retourenkosten auf unter 5€ pro Retoure. 30% rechnen mit 5-10€. Aber wenn man ehrlich alles zusammenrechnet — inklusive Handling, Qualitätsprüfung, Wiedereinlagerung, Wertminderung und Kundenservice — liegen die realen Gesamtkosten bei 20-25€ pro Retoure.

KostenfaktorKosten pro Retoure
Rückversand (Label, Logistik)4-6€
Qualitätskontrolle & Prüfung4-7€
Wiedereinlagerung & Handling2-4€
Kundenservice (WISMO-Anfragen)3-7€
Wertminderung (bei geöffneter Ware)5-15€
Verwaltung & Erstattung2-3€

Bei einem Shop mit 200 Retouren im Monat sind das 4.000-5.000€ monatlich — nur für die Abwicklung von Rücksendungen. Bei Fashion-Shops mit hohen Retourenquoten kann das schnell die gesamte Marge auffressen.

Die Auswirkung auf die Profitabilität

Studien zeigen, dass hohe Retourenquoten (25-40%) die Netto-Marge um 8-12% reduzieren können. Für einen Shop mit 500.000€ Jahresumsatz und 30% Retourenquote bedeutet das: 40.000-60.000€ weniger Gewinn pro Jahr — allein durch Retouren.

Das WISMO-Problem: "Wo ist mein Paket?"

Es gibt eine Frage, die wahrscheinlich 30-40% Ihres gesamten Kundenservice-Volumens ausmacht: "Wo ist mein Paket?" (WISMO — Where Is My Order)

Die Zahlen sind eindeutig:

  • WISMO-Anfragen machen 30-50% aller Support-Anfragen aus
  • In der Peak Season (Dezember/Januar) steigt das Volumen um weitere 72%
  • Jede WISMO-Anfrage kostet im Schnitt 3-7€ an Bearbeitungszeit
  • 87% der Kunden sagen, dass Echtzeit-Tracking ihr Einkaufserlebnis verbessert
  • 59% der Kunden sagen, dass fehlende Tracking-Informationen ihre Markentreue negativ beeinflusst

Das Paradoxe: Die meisten dieser Anfragen sind völlig unnötig. Die Information existiert — sie liegt bei DHL oder einem anderen Carrier. Sie wird nur nicht proaktiv an den Kunden kommuniziert. Der Kunde muss selbst suchen, findet nichts Verständliches und schreibt dem Support.

Warum manuelle Retouren-Abwicklung nicht skaliert

Stellen Sie sich vor, Sie verarbeiten 50 Retouren pro Woche manuell. Für jede Retoure:

  • Kunde schreibt E-Mail oder nutzt Kontaktformular
  • Support-Mitarbeiter liest die Anfrage, prüft die Bestellung
  • Support erstellt manuell ein DHL-Retourenlabel
  • Label wird per E-Mail an den Kunden geschickt
  • Kunde druckt Label aus und gibt Paket ab
  • Paket kommt im Lager an — ohne dass der Kunde Bescheid weiß
  • Ware wird geprüft
  • Erstattung wird manuell ausgelöst
  • Kunde fragt zwischendurch 1-2 Mal nach dem Status

Gesamtaufwand pro Retoure: 15-20 Minuten. Bei 50 Retouren pro Woche sind das 12-16 Stunden reine Retouren-Abwicklung. Eine halbe Vollzeitstelle — nur für Retouren.

Und das Schlimmste: Der Prozess ist fehleranfällig. Labels werden an falsche Adressen geschickt, Erstattungen vergessen, Statusupdates nicht kommuniziert. Jeder dieser Fehler erzeugt zusätzlichen Support-Aufwand.

Wie automatisiertes Retourenmanagement funktioniert

Eine DHL-Integration für Shopify ersetzt den gesamten manuellen Prozess durch einen automatisierten Workflow. Der Unterschied ist fundamental:

Der automatisierte Retouren-Workflow

  • Kunde initiiert Retoure — über ein Self-Service-Portal direkt im Shop (kein E-Mail-Ping-Pong)
  • Retourenlabel wird automatisch generiert — DHL-Label per E-Mail oder als QR-Code aufs Smartphone
  • Kunde gibt Paket ab — bei einer DHL-Filiale oder Packstation
  • Echtzeit-Tracking — Der Kunde sieht auf einer gebrandeten Tracking-Seite, wo sein Paket ist
  • Automatische Status-Updates — E-Mails bei jedem Meilenstein (unterwegs, eingegangen, geprüft, erstattet)
  • Erstattung wird ausgelöst — automatisch nach Wareneingang und Prüfung

Gesamtaufwand pro Retoure: unter 1 Minute (nur die Qualitätsprüfung im Lager bleibt manuell).

Papierlose Retouren mit QR-Codes

DHL bietet seit kurzem papierlose Retouren an. Statt ein Label auszudrucken, erhält der Kunde einen QR-Code auf sein Smartphone. Diesen zeigt er in der DHL-Filiale oder an der Packstation vor. Das Label wird vor Ort gedruckt.

Vorteile: Kein Drucker nötig (relevant für die Generation, die keinen besitzt), weniger Materialverbrauch, und QR-Codes sind schwerer zu fälschen als gedruckte Labels.

Gebrandete Tracking-Seiten

Anstatt den Kunden auf die generische DHL-Tracking-Seite zu schicken, zeigen Sie den Versandstatus auf einer Seite in Ihrem eigenen Shop-Design. Das hat zwei konkrete Vorteile:

WISMO-Reduktion: Unternehmen, die Echtzeit-Tracking über eigene Seiten anbieten, berichten von bis zu 70% weniger Support-Anfragen zum Versandstatus. Der Kunde findet die Antwort selbst — ohne den Support zu kontaktieren.

Cross-Selling-Chance: Die Tracking-Seite wird durchschnittlich 3-5 Mal pro Bestellung aufgerufen. Das sind 3-5 zusätzliche Touchpoints, auf denen Sie Produkte empfehlen, auf Sonderaktionen hinweisen oder Newsletter-Anmeldungen anbieten können.

Retouren reduzieren: Was wirklich funktioniert

Automatisierung macht Retouren günstiger. Aber noch besser ist es, Retouren von vornherein zu vermeiden. Hier sind die Strategien, die laut Studien den größten Effekt haben:

1. Produktbeschreibungen und Bilder verbessern

64% aller E-Commerce-Retouren entstehen, weil das Produkt anders aussah als online beschrieben. Das ist der mit Abstand häufigste Retourengrund.

Was hilft:

  • Mindestens 4-5 hochwertige Fotos aus verschiedenen Winkeln
  • Fotos an echten Personen (bei Fashion), nicht nur Flat-Lay
  • Exakte Maßangaben in Zentimetern, nicht nur S/M/L
  • Materialzusammensetzung und Pflegehinweise
  • Videos, die Textur, Passform und Größenverhältnisse zeigen

2. 3D-Modelle und Augmented Reality

Shops, die 3D-Produktmodelle implementiert haben, konnten ihre Retourenquote um 5% senken. Bei Möbeln und Einrichtung ist der Effekt noch größer — wenn Kunden ein Sofa virtuell in ihr Wohnzimmer stellen können, bestellen sie seltener die falsche Größe oder Farbe.

3. Größenberatung mit KI

Gerade im Fashion-Bereich, wo Retourenquoten über 50% liegen, ist eine intelligente Größenberatung Gold wert. Tools, die auf Basis von Körpermaßen und bisherigen Bestellungen die passende Größe vorschlagen, können die Retourenquote um 10-15% senken.

4. Kundenbewertungen mit Größeninformationen

"Fällt klein aus" oder "Fällt größengetreu aus" — diese Information von echten Käufern ist oft wertvoller als jede Größentabelle. Ermutigen Sie Kunden aktiv, Passform-Feedback in ihren Bewertungen zu geben.

5. Verpackung optimieren

Beschädigte Ware ist ein häufiger Retourengrund, der oft übersehen wird. Eine Investition in bessere Verpackung kostet 0,50-2€ pro Paket — deutlich weniger als die 20-25€ einer Retoure.

Die Retouren-Entscheidung: Kostenlos oder kostenpflichtig?

Eine der kontroversesten Fragen im deutschen E-Commerce: Sollen Retouren kostenlos sein?

85% der deutschen Online-Shopper sagen, dass eine klare und kostenlose Retourenregelung für ihre Kaufentscheidung wichtig ist. Gleichzeitig haben 40% der deutschen Online-Händler mittlerweile eine Retourengebühr eingeführt — der Trend geht klar weg von "alles kostenlos".

Die durchschnittliche Retourengebühr liegt bei 5,66€ in Deutschland.

Was die Daten sagen

  • Kostenlose Retouren erhöhen die Conversion Rate und den durchschnittlichen Warenkorbwert
  • Kostenpflichtige Retouren senken die Retourenquote um 10-20%, können aber auch die Conversion Rate drücken
  • 92% der Kunden kaufen erneut, wenn der Retouren-Prozess einfach ist — unabhängig davon, ob er kostenlos war

Die Antwort hängt von Ihrem Geschäftsmodell ab. Bei Fashion mit hohen Retourenquoten kann eine kleine Gebühr die Profitabilität deutlich verbessern. Bei Elektronik oder Lebensmitteln, wo Retourenquoten unter 10% liegen, macht kostenlose Retoure als Conversion-Booster mehr Sinn.

ROI-Berechnung: Was bringt die Automatisierung konkret?

Nehmen wir einen realistischen Shopify-Shop: 300 Bestellungen/Monat, 11% Retourenquote = 33 Retouren/Monat.

MetrikManuellAutomatisiert
Bearbeitungszeit/Retoure15-20 Min< 1 Min
Kosten/Retoure (Handling)20-25€5-8€
Monatl. Retouren-Kosten660-825€165-264€
WISMO-Anfragen/Monat~25~5
Support-Zeit für WISMO4-5h/Monat< 1h/Monat
Monatliche Ersparnis~500-600€

Bei größeren Shops multiplizieren sich die Einsparungen entsprechend. Ein Fashion-Shop mit 2.000 Bestellungen/Monat und 30% Retourenquote (600 Retouren) spart monatlich 7.000-10.000€ durch Automatisierung.

Die wichtigste Erkenntnis

Retouren werden im deutschen E-Commerce nicht verschwinden. Die gesetzliche 14-Tage-Widerrufsfrist, die "Anprobier-Kultur" und steigende Kundenerwartungen sorgen dafür, dass Retouren zum Geschäft gehören.

Die Frage ist, wie Sie damit umgehen. Händler, die Retouren als lästiges Übel behandeln und manuell abarbeiten, verlieren Geld und Kunden. Händler, die den Prozess automatisieren, Daten nutzen und die Kundenerfahrung optimieren, machen Retouren zu einem Wettbewerbsvorteil.

Denn 92% der Kunden kaufen erneut, wenn der Retouren-Prozess einfach war. Ein guter Retouren-Prozess ist kein Kostenfaktor — er ist ein Kundenbindungs-Instrument.

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