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E-CommerceShopifyCheckoutConversion Rate

Shopify Checkout optimieren: Warum 70% Ihrer Kunden abbrechen und was Sie dagegen tun können

Die durchschnittliche Warenkorbabbruchrate liegt bei 70,22%. Die meisten Gründe sind vermeidbar. Eine datenbasierte Analyse der häufigsten Checkout-Probleme mit konkreten Optimierungsmaßnahmen für Shopify-Shops.

TG-AI5. Februar 202611 min

Die Warenkorbabbruch-Realität

Hier ist die ernüchternde Wahrheit: 70,22% aller Online-Warenkörbe werden vor dem Kauf abgebrochen. Das ist kein Ausreißer — das ist der Durchschnitt aus über 50 verschiedenen Studien nach Baymard Institute.

Übersetzen wir das: Von 100 Besuchern, die ein Produkt in den Warenkorb legen, kaufen nur 30 tatsächlich. 70 gehen weg. Bei einem durchschnittlichen Warenkorbwert von 80€ und 1.000 Warenkorb-Erstellungen im Monat lassen Sie jeden Monat 56.000€ auf dem Tisch liegen.

Natürlich werden Sie nie 100% Conversion erreichen. Manche Besucher sind nur am Stöbern, vergleichen Preise oder speichern Produkte für später. Aber Baymards Forschung zeigt: Durch die Behebung dokumentierter Checkout-Usability-Probleme lässt sich die Conversion Rate um bis zu 35,26% steigern. Bei unserem Beispiel wären das 19.700€ mehr Umsatz pro Monat — nur durch einen besseren Checkout.

Die Top-Gründe für Warenkorbabbrüche

Baymard hat die Gründe detailliert untersucht. Hier sind die wichtigsten — und sie sind fast alle vermeidbar:

RangGrundAnteil
1Zusätzliche Kosten zu hoch (Versand, Steuern, Gebühren)39%
2Account-Erstellung erforderlich26%
3Lieferung zu langsam21%
4Vertraue der Seite nicht mit Kreditkartendaten19%
5Checkout-Prozess zu kompliziert/lang18%
6Gesamtkosten nicht vorab sichtbar17%
7Retouren-Policy unbefriedigend14%
8Website-Fehler/Absturz13%
9Nicht genug Zahlungsmethoden11%
10Kreditkarte abgelehnt4%

Was fällt auf? Die Top 3 Gründe haben nichts mit Ihrem Produkt zu tun. Sie haben mit dem Prozess zu tun. Und Prozesse lassen sich ändern.

Deutschland: Besondere Herausforderungen

Der deutsche E-Commerce-Markt hat Besonderheiten, die sich direkt auf die Checkout-Performance auswirken:

Die Conversion-Rate-Landschaft

Deutschland hat eine durchschnittliche E-Commerce-Conversion-Rate von 2,22% — mehr als doppelt so hoch wie Italien (0,99%) und einer der höchsten Werte in Europa. Das klingt gut, ist aber gleichzeitig eine Warnung: Die Erwartungen deutscher Kunden sind hoch. Sie sind es gewohnt, dass alles funktioniert.

Mobile vs. Desktop

63% des E-Commerce-Umsatzes in Deutschland kommen mittlerweile von Smartphones. Aber hier liegt das Problem: Mobile Conversion Rates liegen deutlich unter Desktop. Die Warenkorbabbruchrate auf Mobilgeräten liegt bei 80,2%, auf Desktop nur bei 70-73%.

Das bedeutet: Die Mehrheit Ihres Traffics kommt von Geräten, auf denen die Conversion am schlechtesten ist. Wenn Sie Ihren Checkout nicht für Mobile optimiert haben, verlieren Sie das Spiel.

Zahlungsmethoden-Erwartung

Deutsche Kunden erwarten bestimmte Zahlungsmethoden — und sie sind da kompromissloser als in anderen Ländern. Bis zu 82% der deutschen Shopper brechen den Kauf ab, wenn ihre bevorzugte Zahlungsmethode fehlt. Das ist einer der höchsten Werte in Europa. In Deutschland heißt das konkret:

  • PayPal: Pflicht. ~30% Marktanteil bei Online-Zahlungen
  • Klarna (Rechnung/Ratenzahlung): ~20% Marktanteil, besonders bei Fashion
  • Kreditkarte: Standard, aber in Deutschland weniger dominant als international
  • Apple Pay / Google Pay: Wachsend, besonders bei unter 35-Jährigen
  • SEPA-Lastschrift: Bei wiederkehrenden Käufen beliebt

Konkrete Optimierungen für Ihren Shopify-Checkout

1. Kosten-Transparenz ab der Produktseite

39% brechen ab wegen unerwarteter Kosten. Die Lösung: Zeigen Sie Versandkosten so früh wie möglich.

Konkrete Maßnahmen:

  • Versandkosten-Rechner auf der Produktseite: "Versand nach Deutschland: 4,90€ | Kostenlos ab 50€"
  • Steuer-Hinweis: "Alle Preise inkl. MwSt." prominent platzieren
  • Versandkosten-Banner: Im Header permanent sichtbar — "Kostenloser Versand ab 50€"

Shopify bietet mit dem Checkout Extensibility Framework die Möglichkeit, benutzerdefinierte Elemente direkt im Checkout zu platzieren — inklusive Versandkosten-Schätzungen vor dem eigentlichen Checkout-Prozess.

2. Guest-Checkout priorisieren

26% brechen ab, weil sie einen Account erstellen müssen. Shopify bietet standardmäßig die Option zum Guest-Checkout — stellen Sie sicher, dass diese aktiviert ist.

Best Practices:

  • Guest-Checkout als Standard: Die Account-Erstellung kommt nach dem Kauf ("Möchten Sie ein Konto erstellen, um Ihre Bestellung zu verfolgen?")
  • Shop Pay: Shopifys beschleunigter Checkout merkt sich Kundendaten — 1-Klick-Checkout ohne Account-Zwang
  • Social Login: Login über Google oder Apple als Alternative zur manuellen Registrierung

3. Versandoptionen optimieren

21% brechen ab wegen zu langsamer Lieferung. Das können Sie nicht immer ändern — aber Sie können Optionen bieten.

  • Express-Versand anbieten: Auch wenn es extra kostet — die Option allein reduziert Abbrüche
  • Lieferzeit klar kommunizieren: "Lieferung in 2-3 Werktagen" statt vager Angaben
  • Packstation/Filiale als Option: DHL Packstationen sind in Deutschland extrem beliebt — bieten Sie diese als Lieferoption an

4. Vertrauen aufbauen

19% vertrauen der Seite nicht. In Deutschland ist Vertrauen besonders wichtig. Maßnahmen:

  • Trusted Shops / Käufersiegel: Das bekannteste Trust-Badge in Deutschland. Kostet 50-300€/Monat, aber Trust-Badges steigern die Conversion um bis zu 8,72% — und 61% der Shopper kaufen nicht ohne sichtbare Vertrauenssignale
  • SSL-Badge: Zeigen Sie das Schloss-Symbol prominent im Checkout — Sicherheits-Badges allein bringen 32% mehr Conversions auf Checkout-Seiten
  • Bekannte Zahlungsanbieter-Logos: PayPal, Klarna, Visa, Mastercard — Payment-Logos erhöhen die Kaufwahrscheinlichkeit um 81%
  • Impressum und Kontakt: Deutsche Kunden prüfen das. Stellen Sie sicher, dass Impressum, AGB und Kontaktmöglichkeiten leicht erreichbar sind
  • Bewertungen: Kunden, die mit Reviews interagieren, konvertieren 128% besser. Produkte mit 10+ Bewertungen sehen einen 45% Conversion-Lift. Zeigen Sie Bewertungen auch im Checkout oder auf der Warenkorb-Seite

5. Checkout-Prozess vereinfachen

18% finden den Checkout zu kompliziert. Shopifys Standard-Checkout ist bereits optimiert, aber es gibt Verbesserungspotenzial:

  • One-Page-Checkout: Alle Schritte auf einer Seite — konvertiert ca. 7,5% besser als Multi-Page-Alternativen. Shopify hat den Checkout mit Extensibility modernisiert und liefert durchschnittlich 4 Sekunden schnellere Checkout-Completion
  • Adress-Autovervollständigung: Google Places API integrieren — der Kunde tippt die ersten Buchstaben und die Adresse wird automatisch ergänzt
  • Weniger Formularfelder: In A/B-Tests brachte allein das Entfernen des E-Mail-Bestätigungsfelds 5,8% mehr Conversions. Brauchen Sie wirklich das Firmenfeld? Die zweite Adresszeile? Jedes Feld, das Sie entfernen, reduziert Reibung
  • Einheitliche CTA-Buttons: Konsistentes Button-Design im Checkout steigerte in Tests die Checkout-Rate um 12,3%

6. Zahlungsmethoden erweitern

11% brechen ab wegen fehlender Zahlungsmethoden. Die Rechnung ist einfach: Jede fehlende Zahlungsmethode kostet Sie Umsatz.

Die Minimum-Konfiguration für den deutschen Markt:

ZahlungsmethodeSetupImpact
Shopify Payments (Kreditkarte)InkludiertBasis
PayPalEinfach+47% Conversion (bei digitalen Gütern)
Klarna / Kauf auf RechnungÜber Shopify Payments+20-30%, Rechnung allein bringt +54%
Apple Pay / Google PayÜber Shopify Payments+5-10% bei Mobile
SEPA-LastschriftÜber Shopify Payments+5% bei Stammkunden

Ein oft übersehener Punkt: Kauf auf Rechnung (z.B. über Klarna) ist mit ~27% Marktanteil die zweitbeliebteste Zahlungsmethode in Deutschland nach PayPal — und liefert einen 54% Conversion-Boost. Der Grund: Es ist die vertrauenswürdigste Zahlungsmethode für den Kunden (erst Ware prüfen, dann zahlen). Für Händler ist es die riskanteste — aber genau deshalb konvertiert sie so gut.

Noch ein überraschender Datenpunkt: White-Label-Zahlungslösungen (also Zahlungen direkt auf Ihrer Seite, ohne Weiterleitung zu PayPal oder Klarna) reduzieren Warenkorbabbrüche um 21%. Der Redirect auf eine externe Seite erzeugt Unsicherheit — auch wenn die Zahlungsmethode selbst vertraut ist.

7. Warenkorbabbruch-Recovery

Nicht jeder Abbruch ist endgültig. Mit der richtigen Recovery-Strategie holen Sie 5-15% der Abbrecher zurück:

  • Automatische E-Mails: Shopify bietet eine eingebaute Abandoned-Cart-E-Mail. Aktivieren Sie diese — es ist die E-Mail mit dem höchsten ROI, die Sie verschicken werden
  • Timing: Erste E-Mail nach 1 Stunde, zweite nach 24 Stunden, dritte nach 3 Tagen
  • Inhalt: Kein Druck, kein Spam. "Sie haben etwas vergessen" mit einem Direktlink zum gefüllten Warenkorb
  • Anreiz: Ab der zweiten E-Mail eventuell 5-10% Rabatt oder kostenlosen Versand anbieten

Mobile Checkout: Der blinde Fleck

Da 63% des Umsatzes mobile passieren, aber die Abbruchrate dort bei 80% liegt, ist der Mobile Checkout Ihre größte Optimierungschance.

Quick-Wins für den Mobile Checkout

  • Große Buttons: Mindestens 44x44px Tap-Target. Finger sind größer als Mauszeiger
  • Numerische Tastatur: Für PLZ und Telefonnummer automatisch die Zifferntastatur aktivieren
  • Autofill unterstützen: Input-Felder korrekt benennen, damit Browser-Autofill funktioniert
  • Apple Pay / Google Pay prominent platzieren: Express-Checkout-Buttons direkt oben im Cart
  • Sticky "Jetzt kaufen"-Button: Der CTA sollte immer sichtbar sein, auch beim Scrollen
  • Ladezeit unter 3 Sekunden: Jede Sekunde zusätzliche Ladezeit kostet 7% Conversion

Shop Pay: Shopifys Geheimwaffe

Shop Pay ist Shopifys beschleunigter Checkout — und die Zahlen sind beeindruckend: Conversion Rate bis zu 50% besser als normaler Guest-Checkout, 4x schneller im Abschluss. Über 40% aller Shopify-Checkouts werden mittlerweile über Shop Pay abgeschlossen. Die Aktivierung allein steigert die Conversion um bis zu 18%.

Die Daten werden verschlüsselt gespeichert, und beim nächsten Kauf (auch in anderen Shopify-Shops) ist alles vorausgefüllt. Für Mobile ist das ein Game-Changer: Statt 15 Felder auf einem kleinen Bildschirm auszufüllen, reicht ein Tap.

A/B-Testing: Messen statt Raten

Keine Checkout-Optimierung sollte ohne Daten passieren. Was bei Shop A funktioniert, kann bei Shop B die Conversion verschlechtern.

Was Sie testen sollten

  • Versandkosten-Schwelle: Kostenloser Versand ab 40€ vs. 50€ vs. 75€
  • Zahlungsmethoden-Reihenfolge: PayPal zuerst vs. Kreditkarte zuerst
  • CTA-Text: "Jetzt kaufen" vs. "Zur Kasse" vs. "Bestellung abschließen"
  • Trust-Badges: Mit vs. ohne Trusted Shops, Position der Badges
  • Formularfelder: Mit vs. ohne optionale Felder (Firma, Adresszusatz)

Tools für A/B-Testing im Shopify-Checkout

  • Shopify Plus: Bietet native Checkout-Anpassungen und A/B-Testing
  • Google Optimize: Für nicht-Checkout-Seiten (Produktseite, Warenkorb)
  • Checkout Extensibility: Shopifys neueres Framework erlaubt tiefergehende Checkout-Anpassungen auf allen Plänen

ROI-Berechnung: Was bringt Checkout-Optimierung?

Konservatives Szenario

MetrikVorherNachher (konservativ)
Monatliche Warenkörbe1.0001.000
Abbruchrate70%60%
Bestellungen300400
Ø Warenkorbwert80€80€
Monatsumsatz24.000€32.000€
Differenz+8.000€/Monat

Eine Reduktion der Abbruchrate von 70% auf 60% — das sind 10 Prozentpunkte, was durchaus realistisch ist — bringt in diesem Beispiel 8.000€ mehr Umsatz pro Monat. Und das ohne einen einzigen zusätzlichen Besucher.

Die wichtigste Erkenntnis

Die meisten Shopify-Händler investieren in Ads, SEO und Social Media um mehr Besucher zu bekommen. Das ist nicht falsch — aber es ist die teurere Lösung. Einen neuen Besucher zu gewinnen kostet 1-5€. Einen bestehenden Besucher zum Kaufen zu bewegen, kostet oft nur eine Checkout-Anpassung.

Fangen Sie mit den Low-Hanging-Fruits an: Versandkosten-Transparenz, alle wichtigen Zahlungsmethoden, Guest-Checkout. Dann arbeiten Sie sich zu den größeren Optimierungen vor: Mobile Checkout, Shop Pay, A/B-Testing.

Denn 70% Abbruchrate muss nicht Ihre Realität sein.

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